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Der Kreuzweg
mit den Stations-Bildern der KAB-Hünsborn
Danke an Reinhard Klur für die
Bereitstellung der Bilder und die freundliche
Genehmigung.
Sie können diese Tafeln beim KAB-Kreuzweg am Karfreitag
im Original an den
einzelnen Stationen sehen.
Mit klick >hier<
gelangen Sie zum Online-Kreuzweg zur Dörnschlade
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1. Station
Jesus wird zum Tod verurteilt
"Mein Königreich
ist nicht von dieser Welt" (Joh
18,36)
Das Urteil ist gefallen.
Kaum sichtbar ist das Kreuz schon
aufgerichtet. Im Schnittpunkt der Balken
erscheint das Bild des römischen Kaisers,
dort wo später die Inschrift stehen wird:
Jesus von Nazareth, König der Juden. Der
Betrachter wird unmittelbar in das
Wechselspiel von Macht und Ohnmacht
hineingezogen. Der Blick des Kaisers
wendet sich ab vom Verurteilten, schneidet
ihn Kraft seiner Macht ab vom Leben dieser
Welt, und wendet sich hin zu Pilatus, der
ihm als Werkzeug der Macht dient.
Jesus sagt im Verlauf des Prozesse zu
Pilatus: "Du hättest keine Macht über
mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre"
(Joh 19,11).
Damit deutet er an, daß er das Spiel der
Macht durchschaut. Pilatus läßt sich
ganz auf dieses Spiel ein. Seine äußere
Erscheinung verrät ihn: aggressiv und
hilflos zugleich geht er auf Jesus zu, läßt
sich als Werkzeug der Macht mißbrauchen,
ängstlich besorgt um seine eigene, kleine
Macht:"Wenn du ihn freiläßt, bist
du kein Freund des Kaisers" (Joh
19,12) haben ihm die Menschen zugerufen.
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Doch wie haltlos
macht diese ängstliche Sorge. Das Streben
nach scheinbarer Größe, nach Ehre und
Ansehen löst sich gleichsam in nicht auf;
der Nimbus der Welt verblaßt. Wirklich
groß ist, wer das Spiel um die Macht in
dieser Welt nicht mitspielt. Jesus steht
souverän und in sich gesammelt da, mit
beiden Füßen auf der Erde. Gelassen läßt
er den Urteilsspruch über sich ergehen.
"Wie ein Lamm, das man zum Schlachten
führt, ... so tat auch er seinen Mund
nicht auf" (Jes 53,7). Sein Zepter
ist das Vertrauen auf den, der ihn durch
den dunklen Weg führen wird, der vor ihm
liegt: "Dein Stock und dein Stab
geben mir Zuversicht" (Ps 23,4). In
dieser Glaubensgewißheit findet er die
Kraft und den Mut zum Weg der Ohnmacht,
und es erhebt sich ein anderes Reich, das
nicht von dieser Welt ist, das Reich
Gottes.
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2. Station
Jesus nimmt das Kreuz auf sich
"Christus war
Gott gleich, hielt aber nicht daran fest,
wie Gott zu sein" (Phil 2,6)
Groß und übermächtig steht das Kreuz im
Mittelpunkt des Geschehens.
Jesus nimmt es bewußt an; er läßt es
sich nicht auferlegen, sondern umfaßt es
mit starken Händen. "Du gutes Kreuz,
getrost und freudig komme ich zu
dir", heißt es in der Liturgie am
Fest des heiligen Andreas, jenes Apostels,
der nach der Legende als erster Jesus auf
dem Kreuzweg folgte.
Noch hält Jesus der Last fast gelassen
stand. Aber der Weg liegt schon steil vor
ihm. Die Balken des Kreuzes zeigen die
Richtung an: ein steiniger Weg, voller
Stolpersteine, die ihn zu Fall bringen können,
ein Weg in die abgrundtiefe Einsamkeit.
Schon wirft die große, freie Bildfläche
Schatten, Schatten des Todes. Und doch
leuchtet die andere, die neue Wirklichkeit
auf: Christus, das Licht, der verklärte
Christus, das Leben. Wie anders läßt
sich die scheinbare Leichtigkeit erklären,
mit der der Verurteilte die Last annimmt?
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Die
Balken dieses Kreuzes ragen über den
Bildrand hinweg in die andere Welt, in der
den Verurteilten die Fülle des Lichtes
und des Lebens erwartet.
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3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
"Seht, hier ist euer
Gott!" (Jes 35,4)
Erstes Anzeichen des nahen Zusammenbruchs.
Jesus wird von der übergroßen Last niedergedrückt.
Nur unter einem Strom von Schweiß hält er noch
stand. Der Weg kostet ihn alles, die letzte
Kraft. Der Weg wird zunehmend steiler. DIe
Stolpersteine haben sich in Felsblöcke
verwandelt. Die Kraft des Schweren und Dunklen
und Schweren zieht ihn in den Abgrund.
Dennoch liegt auch über diesem Bild ein
Schimmer von Hoffnung und Schwerelosigkeit. Ein
übergroßer Nimbus, der wie eine Sonne im
Herzen des Geschehenen steht, fesselt den Blick
des Betrachters. Wieder begegnet uns darin schon
der erhöhte Christus, die Sonne, die jedem
Untergang einen Aufgang zu neuem Leben verheißt.
"Macht die erschlafften Hände wieder stark
und die wankenden Knie wieder fest! Sagt den
Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht,
hier ist euer Gott!"
(Jes 35, 3.4).
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4. Station
Jesus begegnet seiner Mutter
"Mir geschehe!"
(Lk 1,38)
Hier geschieht Begegnung inmitten tiefster
Einsamkeit.
Es ist ein Augenblick, der den schweren Weg Jesu
noch einmal leichter macht. Das geteilte Leid
vermindert die Last, läßt das Kreuz kleiner
werden. Ganz dem Licht zugewandt steht Maria,
die Mutter Jesu. Sie ist ganz Zuwendung. Sie weiß,
was wahre Liebe ausmacht: das rechte Verhältnis
von Distanz und Nähe, der Respekt vor der
letzten Einsamkeit des anderen. Als Mutter weiß
sie, daß sie nicht mehr tun kann und darf, als
ihrem Sohn nahe zu sein und ihn für seinen
schweren Weg freizugeben. Ihre Arme und Hände
umklammern nicht, sie lassen los, wollen ihm
nicht die Last entreißen.
Leben kann nur wachsen und reifen in Freiheit,
im Zulassen des Unabwendbaren, auch und gerade
in den dunkelsten Stunden.
Und der Sohn? Auch er kennt das Gesetz der
Freiheit, das Gesetz des Weizenkorns, das
untergehen muß, um Leben zu ermöglichen.
Nur mit dem Fuß des Kreuzes berührt er das
Gewand seiner Mutter - eine zarte Berührung,
Begegnung der Herzen.
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5. Station
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz
tragen
"Wer mein Jünger
sein will, der nehme täglich sein Kreuz
auf sich und folge mir nach" (Lk 9,
23).
Richtungsänderung
DIe Aufmerksamkeit Jesu wendet sich in den
folgenden Szenen mehr denen zu, die am
Wegrand stehen. Da ist zunächst Simon von
Cyrene. Von ihm berichten die Evangelien,
daß er nicht freiwillig den Weg Jesu
teilte, sondern daß ihn die Soldaten
zwingen mußten, Jesus das Kreuz
nachzutragen. Lukas fügt noch hinzu, daß
Simon gerade vom Feld kam (Lk 23, 26). Er
wird in seinem Alltag vom Kreuz Jesu überrascht
und mitten im Leben zur Richtungsänderung
gezwungen.
Seine gebeugte Haltung läßt spüren, wie
sehr er an dem,
was ihm zugemutet wird, trägt. So ist es
denn Jesus, der ihm diese unerträgliche
Last abnimmt, aufrecht und standfest. Er läßt
ihm Zeit, seinen eigenen Schritt, sein
eigenes Tempo auf dem Weg der Zumutungen
zu finden. Nur die Gesichtszüge Jesu
veraten den Schmerz der noch nicht
gefundenen Annahme.
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Der Blick Simons
jedoch läßt ahnen, daß er auf dem Weg
ist, zu begreifen, daß ihm die geheimen
Zusamenhänge mit jedem Schritt klarer
werden: "Die Leiden der gegenwärtigen
Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der
Herrlichkeit, die an uns offenbar werden
soll" (Röm 8,18).
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6. Station
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
"Jetzt schauen wir
in den Spiegel und sehen nur rätselhafte
Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu
Angesicht" (1 Kor 13, 12)
Veronika stellt sich Jesus in den Weg.
Eine Frau, die fest im Leben steht. Sie tut das
Naheliegende. Der Blick der Liebe schärft den
Blick für die letzte Möglichkeit zu helfen.
Selbst in Mitleid und Schmerz verliert sie
diesen Blick nicht. Ihre Liebe überwindet
Felsblöcke und macht diese zu unscheinbaren
Kieselsteinen. Jesus spürt ihre ganzheitliche
Zuwendung. Wie in der Begegnung mit seiner
Mutter mindert auch diese Frau seine
Kreuzeslast; die Balken sind kleiner gewaorden.
Jesus sntwortet auf diese Liebe, die ihm
geschenkt wird. Er schenkt sich dieser Frau zurück.
Das Schweißtuch, dem seine Gesichtszüge
eingeprägt sind, ist Symbol dafür.
Die Liturgie faßt das Geschehen einmal in der
Bitte zusammen: "Präge unser Herz nach
deinem Herzen."
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7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem
Kreuz
"Als Jesus auf
Erden lebte, hat er mit lautem Schreien
und unter Tränen Gebete und Bitten vor
den gebracht, der ihn aus dem Tod retten
konnte, und er ist erhört und aus seiner
Angst befreit worden" (Heb 5,7)
Der zweite Zusammenbruch unter der Last
des Kreuzes bringt das Erliegen.
Es ist ein Sturz in Einsamkeit, Leere und
Ungewißheit. Und doch: Selbst an diesem
äußersten Tiefpunkt eröffnet sich für
Jesus ein Raum der Zweisamkeit mit dem
Vater. Betend, mit erhobenen Händen,
richtet er sich auf den aus, von dem
allein ihm noch Hilfe kommen kann.
"Nimm mich auf, damit ich lebe, wie
du es verheißen hast. Laß mich in meiner
Hoffnung nicht scheitern!" (Ps
119,116)
In solcher Hoffnung können die
Stolpersteine zur Seite gelegt werden; sie
sind nebensächliches Geröll. Nicht die
Steine haben das letzte Wort, sondern
Gott, dem sich der Sohn ganz anheim gibt.
Gottes Wille ist Wille zum Leben.
In der am Boden liegenden Gestalt scheint
schon der erhöhte Christus auf, ganz
eingehüllt in den Glanz zukünftiger
Herrlichkeit.
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8. Station
Jesus begegnet den weinenden Frauen
"Gott wird alle Tränen
von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht
mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal"
(Offb 21,4)
Tränen gehören zum Geheimnis des Menschen. Tränen
können Ausdruck des Mitleidens, des Angerührtwerdens
durch fremdes Leid sein. Sie zeigen, daß der
Mensch verwundbar ist, sein Herz noch nicht gefühllos
und abgestumpft ist. Die Tränen der Frauen am
Straßenrand sprechen wortlos aus: "Uns ist
dein Elend nicht gleichgültig, wir möchten es
dir abnehmen, aber wir können es nicht."
Die weit geöffneten Augen JEsu vermitteln dem
Betrachter eine unerwartete Antwort. Inmitten
der klagenden Frauen wird Jeus zum Propheten.
Sein eigentliches Leid ist nicht der körperliche
Schmerz, sondern das Schicksal seines Volkes und
aller, die ihm anvertraut sind.
Er ist über sein eigenes Schicksal erhoben und
schaut mit prophetischem Blick das, was kommen
wird. Er sucht nicht das Mitleid der Menschen,
er will, daß sie umkehren und sich dem Reich
Gottes öffnen.
Und genau an diesem Punkt scheiden sich die
Geister.
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9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
"Er ist der Stein,
der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber
zum Eckstein geworden ist" (Apg 4, 11) .
Die Übermacht der Last zwingt Jesus ein drittes
Mal zu Boden.
Vergebens kämpft er gegen das Übergewicht an.
Dieses Kreuz ist für ihn Vorwegnahme der
Todeserfahrung - begraben unter der Last der
Balken, eingezwängt in tödliche Enge, in einen
Abgrund der Verlassenheit. Unwillkürlich
erinnert man sich an das Wort Jesu:
"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde
fallt and stirbt, bleibt es allein" (Joh
12, 24). Zermahlen zwischen Holz and Stein,
zermahlen in der Mühle des Lebens - nur so wird
sein Leben fruchtbar fur die Welt.
Nur so kann er zum Grundstein werden, auf dem
sich das Reich Gottes aufrichtet. "Obwohl
er der Sohn war, hat er durch Leiden den
Gehorsam gelernt" (Hebr 5, 8).
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10. Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt
"Er entäußerte
sich und wurde wie ein Sklave. Er erniedrigte
sich und war gehorsam" (Phil 2, 7.8).
Jesus wird das Letzte genommen, er wird entblößt.
Das Evangelium berichtet von dieser Szene in der
Passivform. Das Bild jedoch zeigt die
paulinische Deutung, wie sie im Philipperbrief
zum Ausdruck kommt: Jesus erleidet nicht passiv
sein Schicksal, sondern willigt bewußt ein. In
der Übergabe seines Gewandes nimmt er
zeichenhaft seine Selbstübergabe vorweg. Diese
Hingabe ist Fleischwerdung seines absoluten
Glaubensgehorsams. Gebeugt im Leid, dennoch
aufrecht stehend, feststehend im Glauben, gibt
er aus freiem Willen dem Vater seinen letzten
Besitz.
Jesus erfüllt am Ende seines Leidensweges die
Worte, die Hiob hochgemut sprach, als ihn sein
Weg noch nicht in die letzte Nacht des Glaubens
geführt hatte:
"Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner
Mutter, nackt kehre ich dahin zurück Der. Herr
hat gegeben, der, Herr hat genommen; gelobt sei
der Name des Herrn" (Hiob,1, 21).
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11. Station
Jesus wird ans Kreuz genagelt
„Es ist
vollbracht!" (Joh 19, 30).
Hier wird schon die Frucht der totalen Selbstübergabe
geerntet.
Freiheit, Gelöstheit, Offenheit and
Gelassenheit prägen das Bild. Obwohl der
Schrecken des Todes jetzt den Höhepunkt
erreicht, hat Jesus den Schritt in das neue
Leben bereits getan. Sein eigentlicher Schmerz
war ja nicht der körperliche, sondern sein
Ringen um den Willen Gottes. Überall, wo das Ja
zu diesem Willen gesprochen ist, leuchtet das
Licht des neuen Lebens auf, wächst Freiheit.
„Wo der Geist des Herrn weht, da ist
Freiheit" (2 Kor 3,17). Gegen solche
Freiheit kann alle menschliche Anstrengung
nichts ausrichten:
Mit ganzer Kraft treibt der Soldat den Nagel in
die Hand Jesu and stemmt das Kreuz in die Höhe.
Nocheinmal wird der Betrachter in das
Wechselspiel der Macht einbezogen. Gegen die
Macht der Freiheit vermag kein Mensch sich zu
stemmen. „Tod, wo ist dein Stachel?" (1
Kor 15, 55). Vergebens bäumt sich der Mensch
auf gegen die Übermacht seines ohnmächtigen
Gottes.
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12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
„Siehe, deine Mutter !
" (Joh 19, 27)
Die Stunde Jesu ist auch die Stunde seiner
Mutter und unsere Stunde.
Die Stunde seiner Erhöhung, seines Hinübergangs
zum Leben ist auch die Stunde der Verheißung an
uns:
„Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen"
(Joh 14, 18). Mit diesen Worten hatte Jesus
seine Jünger im Abendmahlssaal getröstet. So
steht selbstverständlich nun die als letzte
unter dem Kreuz, die sich als erste wleder mit
den Jüngern im Abendmahlssaal versammeln wird:
Maria, seine Mutter, Urbild der Kirche. „Sie
verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit
Maria, der Mutter Jesu" (Apg 2, 14). Maria
wird fortan den Jüngern and uns vorangehen und
den Weg zu ihrem Sohn weisen.
Stellvertretend für die vielen, die sich ihr
unsichtbar anschließen, erhebt sie die Hände
zum Gebet and lehrt uns so, das zu tun, was
allein uns am Ende bleiben wird: die freie
Selbstübergabe, die Rückgabe des Lebens an
ihn, den Urheber allen Lebens.
Stellvertretend für uns, für die ganze Kirche,
empfängt sie die Frucht des Kreuzes: die
Hoffnung auf Erlösung, auf die Fülle des
Lebens für alle, die glauben.
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13. Station
Jesus wird vom Kreuz abgenommen
„Und ich, wenn
ich über die Erde erhöht bin, werde alle
zu mir ziehen" (Joh 12, 32).
In der Geschichte der Spiritualität hat
die Erzählung von der Kreuzabnahme immer
wieder einen besonderen Platz eingenommen.
In ihr sah man ein Bild für den Gipfel
aller Christusmystik: die Vereinigung mit
Christus, der sich vom Kreuz herabneigt.
Diese liebevolle Umarmung des Menschen mit
dem Gekreuzigten war die Erfüllung, nach
der die mittelalterliche Chri- stusmystik
strebte. Von diesem Gedanken ist die
Darstellung ganz geprägt.
Dem Betrachter fällt zunächst eine überdimensional
große Leiter ins Auge. Mit den
Kreuzesbalken ragt sie über den Bildrand
hinau in jene Höhen, die für das Auge
unsichtbar sind. Die Leiter ist von je her
ein Symbol des geistlichen Weges zu Gott.
So erschien Gott dem Jakob im Traum auf
der obersten Sprosse der Himmelsleiter, um
ihm seinen Segen zu verheißen (Gen 28, 12
ff.).
Im Bild der Leiter weist der heilige
Benedikt seinen Mönchen den Weg der Demut
als Aufstieg zu Gott.
So darf vielleicht Josef von Arimathäa
als der Mensch des geistlichen Lebens
gedeutet werden.
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Von
ihm berichten alle vier Evangelien übereinstimmend,
daß er ein Jünger Jesu, also einer war,
der sich mit Jesus auf den Weg zum Vater
gemacht hat. Die Anstrengung, die ihn
dieser Weg kostet, ist ihm anzusehen. Die
Last Jesu scheint ihn beinahe auszurenken,
wie auch Jakob, dessen Hüftgelenk sich im
Kampf mit Gott ausrenkte (Gen 32, 26). Und
gerade diese fast übermäßige
Anstrengung läßt ihn zur innigsten
Einheit mit seinem Herrn gelangen.
Gleichsam angeschmiegt an den Leib des
Gekreuzigten wird er von Christus
angezogen and getragen. So ist nicht
eindeutig festzustellen, wer der Tragende
and wer der Getragene ist. Zusammen können
sie ihren schweren Weg weitergehen,
gehalten von den B anden der Liebe, wie es
die vom Kreuz herabhängenden Seile zu
symbolisieren scheinen. Indem Josef von
Arimathäa seinen Weg mit Christus geht,
mit ihm in die gleiche Richtung schaut,
beginnt sein Gesicht zu leuchten, wird es
in ihm hell, strahlt in ihm schon jetzt
ewiges Licht auf. So kann für ihn das
Wort wahr werden: „Nichts ist schwer,
sind wir nur leicht" - leicht in der
Gemeinschaft mit
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14. Station
Jesus wird in das Grab gelegt
„Hoffnung aber,
die man schon erfüllt sieht, ist keine
Hoffnung" (Röm 8, 24) .
Der Tod ist das letzte Geheimnis unseres
Lebens.
Wer hätte nicht schon am Grab eines
geliebten Menschen empfunden, was hier
dargestellt ist. Nirgendwo spüren wir stärker
unsere Solidarität mit der ganzen Schöpfung.
Und Gott hat selbst seinen eigenen Sohn
nicht davor bewahrt: „Er war Gott
gleich, hielt aber nicht daran fest, wie
Gott zu sein. Er erniedrigte sich and war
gehorsam bis zum Tod" (Phil 2, 6.8).
Wirklich zu verstehen ist diesess
Geheimnis nicht. Was bleibt, ist das
schweigende Warten auf Antwort. Auch in
ihrer schweigenden Haltung ist Maria für
den suchenden Menschen Stütze im Glauben.
Ihre Hände haben losgelassen. Wer dies
nicht wie sie im Leben gelernt hat, von
dem fordert es der Tod. Der Tod der
anderen und spätestens der eigene. Aber
es ist nicht ein Loslassen in Verzweiflung
oder ein Loslassen aus Resignation vor der
Unabänderlichkeit unseres „Daseins zum
Tode", sondern wer alles gelassen
hat, dessen Hände sind leer und bereit zu
empfangen.
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Er
kann „hoffen gegen alle Hoffnung" (Röm
4, 18) and mit Paulus sagen: „Deshalb
gilt: 'aus Glauben', damit auch gilt: 'aus
Gnade"` (Röm 4, 16). Was könnte
besser am Ende unseres Lebens stehen?
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